Sankt-Ansgar-Schule meets David A. Robertson

Als fächerübergreifendes Projekt zum Thema Minderheiten, hat sich unsere Vorstufenklasse der Stadtteilschuloberstufe (VSa) dieses Jahr mit den Indigenen Völkern Kanadas beschäftigt. Im Englisch, Geschichts-, PGW- und Geografie-Unterricht wurden zunächst die Historie und Topografie Kanadas behandelt und dann mithilfe von Original-Texten, wie z.B. einer Rede vom kanadischen Premierminister Trudeau, die aktuelle Situation in Kanada näher beleuchtet. 

Wie in anderen Ländern, die von den Europäern erobert und besiedelt wurden, kam es auch dort zu Konflikten und Verdrängung der First Nations. Dabei wurde insbesondere die Idee, die Kinder in sogenannten Residential-Schools umzuerziehen behandelt und als Verbrechen verurteilt.

Genau zu diesem Thema hat der kanadische Bestsellerautor David A. Robertson, der selber der Cree-Community angehört, ein Kinderbuch „When we were alone“ (Deutsche Ausgabe: „Als wir alleine waren“/ Little Tiger Verlag) geschrieben. 
Außerdem entstand eine spannende Triologie (Strangers/ Monsters/ Ghosts, Merlin Verlag), in der der mit magischen Kräften ausgestatteter Superheld Cole Harper merkwürdige Geschehnisse im Cree-Reservat „Wounded Sky“ durchlebt und aufdeckt. Diese Bücher wurden der VSa vorgestellt und von allen zu mindestens auszugsweise gelesen. 

Ausgelöst durch und mit Unterstützung des kanadischen Gastland-Auftritts auf der Frankfurter Buchmesse 2021 ergab sich für uns die Möglichkeit einer persönlichen Begegnung mit dem kanadischen Autor.

Am 01.03.2022 war unsere Vorstufe dann mit Robertson zum Gespräch verabredet! Er wurde live aus Kanada zugeschaltet. Die Begegnung fand im Nachmittagsunterricht statt, da war es in Kanada gerade 7.30 Uhr!

Robertson ist offensichtlich kein Morgenmuffel, sondern startete sofort frisch und offen ins Meeting! Nach einem herzlichen „Welcome to Sankt-Ansgar-Schule“ übernahmen die Schülermoderatoren Senamie und Maxim die Gesprächsführung. Vorher hatte die Klasse die Fragen, die sich während des Projektes ergeben hatten, gesammelt und thematisch sortiert! Sie bezogen sich auf die Geschichte und Kultur der Cree, die aktuelle Aufarbeitung der Geschehnisse in den Residential-Schools und natürlich auf die Autorenschaft von Robertson. Wieso ist er überhaupt Schriftsteller geworden? Seit wann wusste er, dass er ein Autor werden wollte? Und warum schreibt er gerade für Jugendliche und Kinder? 

Fast alle der vorbereiteten Fragen wurden beantwortet. Robertson erklärte im Plauderton sehr offen über seine persönliche Motivation und die aktuelle Situation in Kanada, benannte ungeklärte Konflikte und Ungerechtigkeiten.

So berichtete er zum Erstaunen der Schüler/innen, dass er bereits als kleiner Junge in der 3. Klasse beschloss ein Writer zu werden, als die Grundschullehrerin von ihm geschriebene Gedichte zu einem kleinen Buch zusammengebunden hatte, gab ihm das ein unglaublich gutes Gefühl und er beschloss Autor zu werden. Die Themen seiner Bücher ergaben sich daraus, dass Robertson feststellte, dass es zur Geschichte, Kultur und aktuellen Situation der Cree keine Literatur für Kinder und Jugendliche gab. Damit diese ihre Wurzeln und die Schätze ihrer Vorfahren, beispielsweise das große Wissen über die Natur in Kanada, kennenlernen, fing er an Bücher darüber zu schreiben. 

Konsens des Gesprächs über die aktuelle Situation der First Nations in Kanada war, dass Entschuldigungen nichts bedeuten, wenn sie nur aus Worten bestehen. Verantwortung für Verbrechen zu übernehmen, muss immer mit Aktivität verbunden sein. Da hat Kanada noch einen weiten Weg vor sich. Und auch die Katholische Kirche, die einige der Residential-Schools betrieben hat, muss hier noch aktiv(er) werden. 

Insgesamt war es sehr beeindruckend zu erleben, wie motiviert und überzeugt sich Robertson dafür einsetzt, unsere Welt besser und gerechter werden zu lassen! Hoffentlich finden auch die Schüler/innen aus der VS in ihrer Zukunft Wege und Gelegenheiten sich für die richtigen Dinge zu engagieren! 

Wir bedanken uns ganz herzlich für das offene Gespräch.

  • 29.03.22 Text/Bilder: Gm